Krebskrankes Mädchen aus Weißrussland wird nach Augsburg überführt und wartet auf Transplantation

Aindling | am 31.01.2014 - 10:53 Uhr | Aufrufe: 1243

Sie ist todkrank und sie ist glücklich. Lena liegt seit Dienstag im Zentralklinikum Augsburg. "Jetzt ist sie bloß noch selig", erzählte Heidi Bentele, Vorsitzende der Aindlinger Tschernobyl-Hilfe, gestern über das Kind aus Weißrussland, das dringend Hilfe braucht. In ihrer Heimat und in unserer Region haben die Menschen Spenden gesammelt, damit die leukämiekranke Lena eine Knochenmarktransplantation erhalten kann. Nur so hat sie eine Chance zum Überleben. Aber es sind noch Hürden zu nehmen.

Heidi Bentele ist erleichtert. Sie hat seit Wochen gekämpft und "sehr langwierige Verhandlungen" geführt. Dass es geklappt hat, habe man dem Augsburger Landrat Martin Sailer und Professor Michael Frühwald vom Klinikum zu verdanken. Der Mediziner hat zugesagt, die Zwölfjährige zu behandeln. Von Sailer hat Bentele die Zusicherung, dass die Kosten für den Aufenthalt im Klinikum übernommen werden.

Es gibt zwei Knochenmarkspender für Lena, die an lymphatischer Leukämie, also Blutkrebs, leidet. Aber an eine Transplantation, die eventuell in Freiburg durchgeführt wird, ist momentan nicht zu denken. Lena ist viel zu schwach. Bei einer Chemotherapie in Minsk erlitt sie im November einen anaphylaktischen Schock, also die stärkste allergische Reaktion eines Organismus’. Wegen der lebensbedrohlichen Situation mussten die Ärzte Lena ins künstliche Koma versetzen. Etwa vier Wochen lang. In dieser Zeit wurde Lena zwölf Jahre alt. In Aindling bangte Bentele um das Leben des Kindes, das mehrfach bei ihr die Ferien verbracht hat und für das sie wie eine Großmutter ist. Erst seit einer Woche kommt Lena ohne künstliche Beatmung aus. Aber die Lungen arbeiten noch nicht richtig, die geschwächten Beine tragen das Kind nicht. Der Transport nach Deutschland war nun aber möglich. Die Björn-Steiger-Stiftung aus Stuttgart übernahm den rund 16 000 Euro teuren Flug. Ein Rettungsjet brachte Lena in zwei Stunden von Weißrussland nach Landsberg, begleitet von einem Intensivarzt. Die Malteser spendierten den Transport nach Augsburg. Dr. Peter Sommer aus Aindling übernahm die medizinische Begleitung.

Zusammen mit dem Arzt und Dolmetscherin Marina Schmidberger aus Binnenbach begrüßte Bentele das Kind. "Wie geht’s dir, Schätzle?", fragte sie und Lena antwortete: "Ich bin zu Hause." Lena seien dauernd Freudentränen übers Gesicht gelaufen. "Sie ist überaus glücklich", berichtete Bentele von der berührenden Ankunft. Lena sei ein Sonnenschein, "wenn man sie erlebt, ist man zutiefst beeindruckt".

Glücklich ist auch Oleg Maximowitsch. Der 36-Jährige aus Weißrussland begleitet die Waise seit Jahren. Er hat in Weißrussland eine beispiellose Spendenaktion initiiert. Inzwischen sind rund 250 000 Euro zusammengekommen. 60 000 Euro stammen aus unserer Region, rund 190 000 Euro kommen aus dem Osten. Dort sind Taxifahrer mit Lenas Foto herumgefahren, Menschen, die selbst arm sind, haben gespendet. Eine derartige Welle der Solidarität habe sie dort noch nicht erlebt, erzählt Bentele. "Wir sind heute nicht Eis essen gegangen, wir haben drei Euro für Lena eingezahlt" - solche Nachrichten erhielt Bentele.

Die Vorsitzende ist zuversichtlich, dass man die fehlenden 50 000 Euro für die Transplantation zusammenbringt. Vorerst aber ist zu klären, wie der Aufenthalt Maximowitsch’ im Elternhaus am Klinikum bezahlt werden kann. Er sei ein "Schutzengel" für Lena, er habe Vaterstelle bei ihr eingenommen. "Das braucht sie", sagt Bentele.



Spendenkonto:
Sparkasse Aichach-Schrobenhausen
"Hilfe für Kinder aus Tschernobyl"
BLZ 720 512 10
Kontonr. 560 500 811
Stichwort "Lena Novik"


 

Textquelle: Augsburger Allgemeine / Carmen Jung
Bild: Tschernobyl-Hilfe

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