Neue Dürre-Katastrophe in West-Afrika zeichnet sich ab

Friedrichsdorf | am 21.12.2011 - 12:55 Uhr | Aufrufe: 287

Die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision macht darauf aufmerksam, dass die Hungersnot am Horn von Afrika noch lange nicht vorbei ist. „Trotz zum Teil heftiger Niederschläge müssen wir uns darauf einrichten, dass noch mindestens bis Ende März 2012 akute Nothilfe nötig ist. Die Krise wird noch bis Mitte oder Ende des kommenden Jahres anhalten.“, so Silvia Holten, Pressesprecherin von World Vision Deutschland.

World Vision - Zukunft für Kinder!In einigen Regionen Äthiopiens, Kenias und Somalias gab es in den vergangenen Wochen viel Regen, der einerseits dazu führte, dass Brunnen, Flüsse und Wasserlöcher wieder mit Wasser gefüllt und Weideflächen wieder grün wurden und Kühe und Ziegen somit wieder Futter finden konnten. Auf der anderen Seite dauert es jedoch noch einige Monate, bis die Bauern wieder ernten können. Überschwemmungen erschweren den Transport von Hilfsgütern, da die Landung für Flugzeuge in manchen Gegenden unmöglich geworden ist. „Dies bedeutet, dass unsere Kollegen vor Ort manchmal bis zu drei Tagen mit dem Lastwagen unterwegs sind, um Hilfsmittel zu den Menschen in entlegene Gegenden zu bringen“, so Holten.

Ein großes Problem sind auch die Sicherheitslage und die Kämpfe in Süd-Somalia, die es vielen Hilfsorganisationen unmöglich macht, die Menschen in diesen Regionen zu versorgen. „Somalia kann auf Dauer nur geholfen werden, wenn die Weltgemeinschaft es schafft, für Frieden zu sorgen und dazu müssen alle an dem Konflikt beteiligten Parteien an entsprechenden Gesprächen beteiligt werden“, erklärt Ekkehard Forberg, Experte für Friedensförderung bei World Vision. „Das Land befindet sich an einem äußerst kritischen Punkt. Falls wir unsere Anstrengungen nicht verstärken, könnte sich im nächsten Jahr die Lage dramatisch verschärfen.“

Mehrere 10.000 Kinder und Erwachsene sind am Horn von Afrika bereits verhungert. Millionen Menschen gehen jeden Abend immer noch mit leerem Magen ins Bett.

World Vision hilft am Horn von Afrika in den Flüchtlingslagern, hat aber auch in den Regionalprojekten, in denen die Organisation tätig ist, die Menschen auf die Dürrekatastrophe vorbereitet. Etwa 2,9 Millionen Menschen wurden seit Juli in Kenia, Äthiopien, Somalia und Tansania unterstützt. Ein Fokus der langfristigen Entwicklungszusammenarbeit in den Regionalprojekten liegt auch darin, die Menschen weniger anfällig für Dürrperioden zu machen.

Die Hilfsorganisation warnt auch davor, dass sich in West-Afrika eine neue Dürrekatastrophe anbahnt. Seit mehreren Jahren hat es in den Ländern der Sahelzone nicht oder nur wenig geregnet. Die letzte große Nahrungsmittelkrise ereignete sich dort 2009/2010. Am schwersten getroffen sind derzeit Niger, Mauretanien, Mali und Tschad. Jedoch auch in Ländern wie Burkina Faso, Nigeria, Kamerun und Senegal haben bereits viele Menschen nur noch wenig zu essen. Von der Nahrungsmittelunsicherheit sind nach bisherigen Schätzungen insgesamt rund 5 – 7 Mio. Menschen bedroht, davon sind allein über 1 Mio. Kinder von Mangelernährung betroffen. Besonders problematisch ist die Situation in Niger, wo mehr als 330.000 Kinder unter 5 Jahren unter schwerer und akuter Mangelernährung leiden und mehr als die Hälfte der Bevölkerung von Hunger bedroht ist. Die Ernte ist in vielen Ländern vertrocknet, die Menschen haben nur noch wenig zu essen. Sollte es in absehbarer Zeit nicht regnen, muss mit einer neuen großen Hungernot gerechnet werden, die es neben der derzeitigen dramatischen Krise am Horn von Afrika schwer haben wird, Aufmerksamkeit und Unterstützung zu erhalten.

Quelle: World Vision

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