Notfallsanitätergesetz: Stellungnahme von „Report Mainz“ zu Vorwürfen

Die vergangene Woche gesendete Ausgabe des ARD-Magazins „Report Mainz“ schlug hohe Wellen. Unter dem Titel "Lebensrettung als Lotteriespiel" ging man auf heikle Fragen rund um das Notfallsanitätergesetz ein. Dazu wurde der Vorsitzende der BAND interviewt. Er warf dem Magazin nach Ausstrahlung eine Verdrehung seiner Aussagen vor. Nun reagierte „Report Mainz“ mit einer Stellungnahme. 

Am 14.01. strahlte die ARD die Sendung "Report Mainz" mit dem Thema „Lebensrettung als Lotteriespiel?" aus.  „Report Mainz“ berichtete unter anderem, dass der Landesgeschäftsführer des bayerischen Roten Kreuzes (BRK), Dieter Deinert, den Lobbyeinfluss von Notärzten kritisiere (retter.tv berichtete). Außerdem berichtete die Sendung, dass auch die Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften Notärzte Deutschlands (BAND) auf das neue Gesetz verhalten reagiere: Man wolle das System beibehalten und stehe der Freigabe von Kompetenzen an Notfallsanitäter kritisch gegenüber. Der Deutsche Berufsverband Rettungsdienst veröffentlichte daraufhin eine Stellungnahme, in der sie die Aussagen von dem  Vorsitzenden der BAND - Dr. med. Michael Burgkhardt - im Sinne einer guten gemeinsamen Teamarbeit im Rettungsdienst für ungeeignet hält. Burgkhardt reagierte mit einer Stellungnahme und warf dem ARD-Magazin darin eine völlige Verdrehung seiner Aussagen vor (retter.tv berichtete).

Stellungnahme von „Report Mainz“ zur Erklärung des BAND-Vorsitzenden

Nun reagierte wiederum „Report Mainz“ auf die Kritik des BAND-Vorsitzenden. In einer ausführlichen Erklärung nehmen die Verantwortlichen Stellung.

„In seiner Stellungnahme kritisiert der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften Notärzte, Michael Burgkhardt, die Zusammenstellung seiner Aussagen im REPORT MAINZ Beitrag „Lebensrettung als Lotteriespiel? Warum Rettungsassistenten häufig nicht helfen dürfen“. Die von Dr. Burgkhardt erhobenen Vorwürfe weisen wir zurück und nehmen gerne zu den einzelnen Punkten Stellung.

Herr Dr. Burgkhardt kritisiert, dass der REPORT MAINZ-Bericht „die in einem etwa einstündigen Interview gegebenen Erläuterungen zum Notfallsanitätergesetz“ verfälsche. Das trifft nicht zu, wie wir im Folgenden ausführlich erläutern werden. Nebenbei bemerkt dauerte das Interview keine Stunde, sondern rund 40 Minuten.

Zunächst kritisiert Herr Dr. Burgkhardt, dass seine Äußerungen in Zusammenhang mit einem ihm zu diesem Zeitpunkt noch  nicht bekannten Fall gebracht worden wären. Das ist falsch. Der Fall, der beiden gekündigten Rettungsassistenten aus Franken war ihm sehr wohl bekannt. In mehreren Vorgesprächen für das Interview haben wir Herrn Dr. Burgkhardt am Telefon über alle Details des Falles informiert. Ihm war auch bekannt, dass dieser Fall Anlass und Teil der Berichterstattung sein wird. Darauf weist er selbst in seiner Stellungnahme vom 15. Januar in Absatz vier hin. Vereinbarungsgemäß sollte der Schwerpunkt des Interviews mit Herrn Dr. Burgkhardt die Haltung der BAND bei der Umsetzung des Notfallsanitätergesetzes beleuchten.
Nicht richtig ist auch, dass die Äußerungen von Herrn Dr. Burgkhardt kommentierend zu dem erwähnten Fall in Franken im Beitrag verwendet wurden. An der kritisierten Stelle des Berichts ging es ausschließlich um die Umsetzung des Notfallsanitätergesetzes in der Praxis und um die derzeit laufenden Verhandlungen auf Länderebene.

Weiter bemängelt Herr Dr. Burgkhardt, dass Äußerungen „aus dem Zusammenhang gerissen“ und mit Halbsätzen an eine thematisch andere Moderation angehängt worden seien. Geradezu eine Fälschung sei es, wenn durch einen Zusammenschnitt unterschiedlicher Bemerkungen eine falsche Grundaussage erreicht werde. Weiter schreibt er: „So wird behauptet, ich würde gegen eine zu weitreichende Freigabe von Kompetenzen sein, was schon nicht stimmt, denn ich habe dem Journalisten, die zur Debatte stehenden Maßnahmen und unsere Zustimmung im Rahmen des sogenannten konsensualen Pyramidenprozesses erläutert“.

Diese Vorwürfe weisen wir entschieden zurück. Mehrfach hat Herr Dr. Burgkhardt  im Interview mit REPORT MAINZ geäußert, dass er gegen aus seiner Sicht zu weitreichende Regelkompetenzen für Notfallsanitäter ist. So sagte er zum Beispiel in Bezug auf eine Konsensliste  (Arbeitsgruppe Notfallsanitäter der Sächsischen Landesärztekammer), dass er den ärztlichen Leiter Rettungsdienst eher als Bremse sieht, der einer einheitlichen Freigabe von Medikamenten, die Notfallsanitäter zukünftig eigenverantwortlich geben dürfen, entgegenstehen sollte.

Das könne auch bedeuten, dass der ärztliche Leiter Rettungsdienst in einem Bereich sage, „bei mir geht das nicht und bestimmte Dinge untersagt“. Dr. Burgkhardt hat im Interview mit REPORT MAINZ zwar einerseits den Abstimmungsprozess zur Umsetzung des Notfallsanitätergesetzes begrüßt, aber er äußerte auch Bedenken, zum Beispiel bei der Gabe von Bluthochdruckmitteln oder bei bestimmten Schmerzmitteln. Er könne sich nicht vorstellen, dass sie „von jedem Notfallsanitäter in jeder Ecke Deutschlands“ tatsächlich auch gegeben werden. Burgkhardt betonte in diesem Zusammenhang, dass das Arztsache sei und im Prinzip auch der Wunsch des Deutschen Bürgers.

Auf Nachfrage sagte Dr. Burgkhardt weiter, dass es durchaus akzeptabel sei, dass die Gabe von Schmerzmitteln durch die Notfallsanitäter in den unterschiedlichen Rettungsdienstkreisen zukünftig unterschiedlich gehandhabt werde. Burgkhardt wandte sich in diesem Zusammenhang gegen eine generelle Freigabe der eigenverantwortlichen Gabe von bestimmten Medikamenten, auch wenn das bedeute, dass der bisher bestehende Flickenteppich beibehalten bleibe.


Auch das im Beitrag von Dr. Burgkhardt erwähnte Statement „generell wollen wir das System so behalten“ ist keinesfalls aus dem Zusammenhang gerissen. Dieser Antwort ging die Frage voraus, ob man dafür kämpfen müsse, „dass Ärzte möglichst viele Kompetenzen behalten und möglichst wenige an die Notfallsanitäter abgeben“. In der Frage wurde nicht etwa das „arztgestützte Rettungssystem“ thematisiert, sondern die Frage, welche Kompetenzen der Notfallsanitäter im jetzt beschlossenen Notfallsanitätergesetz haben sollte.

Der von Herrn Dr. Burgkhardt angesprochene Pyramidenprozess war Hintergrund der Recherchen, aber nicht Gegenstand des Beitrags. Wichtiger als sein allgemeines Bekenntnis zum Pyramidenprozess war es den Autoren, die Haltung der BAND darzustellen, mit der dieser Notärzteverband im Verhandlungsprozess agieren möchte. Diese Haltung haben wir im Beitrag in der gebotenen Kürze richtig wieder gegeben.

Sehr wohl wurde im Beitrag auch erklärt, dass Dr. Burgkhardt seine Haltung mit dem Argument der Patientensicherheit begründet. Zitat aus dem REPORT MAINZ Bericht zur Position der BAND: „Im Sinne der Patientensicherheit soll immer ein Arzt das letzte Wort haben“. Zusammenfassend kann man sagen, dass wir die Haltung der BAND treffend beschrieben haben und dass die im Bericht verwendeten O-Töne diese korrekt wiedergeben.

Weiter behauptet Herr Dr. Burgkhardt in seinem Schreiben: „Im Gegensatz zu dem in dem Reportbeitrag erweckten Eindruck bekennt sich die BAND nachdrücklich dazu, dass im Interesse der Notfallpatienten schon vor dem Eintreffen des Notarztes am Notfallort alle zum Überleben und zur Abwendung schwerer Gesundheitsschäden notwendigen Maßnahmen von den Rettungsassistenten und Notfallsanitätern getroffen werden. Hierzu gehört auch die Linderung schwerer Schmerzen.“

Hierzu stellen wir fest, dass wir diesen Eindruck nicht erweckt haben. Dieses Bekenntnis zur „Notkompetenz“ ist in der Tat unstrittig und bereits heute geregelt. Strittig hingegen ist die Frage, wie und in welchem Umfang Notfallpatienten im Rahmen einer Regelkompetenz vor Eintreffen des Notarztes durch zukünftige Notfallsanitäter geholfen werden kann und darf. Diese Debatte hat der Beitrag abgebildet.

Dass Herr Dr. Burgkhardt sich „nicht in einem einzigen Satz gegen den Rettungsassistenten/den Notfallsanitäter  geäußert“ hat, ist richtig, wurde aber auch an keiner Stelle der Berichterstattung behauptet.

Quelle (Bild + Text): SÜDWESTRUNDFUNK/  REPORT MAINZ

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