Offensichtliche Schwächen neuer und unerfahrener Arbeitnehmer im Rettungsdienst

Deutschland | am 22.09.2014 - 11:32 Uhr | Aufrufe: 5358

Keine Ausbildung nach Berufsbildungsgesetz, man ist Rettungssanitäter oder Rettungsassistent, und relativ neu im Geschäft. Die Prüfungen nebst Praktika sind vorbei, und schon kann es losgehen- oftmals gleich als Verantwortlicher auf dem Fahrzeug. Der Stoff aus den Lehrbüchern ist vorhanden, aber der „Blick“ für den Patienten fehlt- den bringt erst die Erfahrung. Schnell lernt man seine Grenzen kennen, selbst wenn man es nicht wahrhaben will. Den ganzen Tag Patienten tragen, die Kranken fahren, und dann noch diverse Notfalleinsätze mit all seinen Begleiterscheinungen-wobei festzustellen ist, dass in MZF-Systemen ca. 95 % aller Fahrten Krankentransporte sind. (Kranke fahren, Kranke tragen).

Junge und unerfahrene Kollegen tendieren bekanntermaßen dazu Notfallsituationen sehr emotional aufzufassen. Die nachfolgenden Reaktionen sind dann nicht immer der Situation adäquat. Keine Berufserfahrung, keine ausgeprägten Fahrkenntnisse, wenig Menschenkenntnis, kein grundlegendes Wissen über Fahrten mit Sondersignal (gesetzliche Grundlagen), keine Fähigkeiten zur Deeskalation, Kommunikationsschwierigkeiten (extern/intern), keine berufsspezifische Eignungsprüfung (physisch-psychische Belastbarkeit), ungünstige Einteilung auf Einsatzmittel und Kollegen, keine Kenntnisse aus Tarifvertrag, Arbeitszeitgesetz, Arbeitsstättenverordnung und Betriebsverfassungsgesetz. Viele kennen nicht mal ihre Sollarbeitszeit. Andere sind nicht in der Lage Arbeitszeit, Arbeitsbereitschaft und Bereitschaftsdienste zu unterscheiden.

Man könnte mit den Aufzählungen ungünstiger Voraussetzungen fortfahren, doch das würde den Rahmen sprengen. Vielmehr sind Arbeitgeber und Führungskräfte gefordert. In Einstellungsgesprächen lassen sich viele Kriterien vor Ort klären.

Die festgestellte physische und psychische Belastbarkeit sollte eine der grundlegenden Anforderungen bei Neueinstellungen sein- bei Polizei und der Feuerwehr geht’s ja auch.

Ein gewissenhafter, und wohl durchdachter Dienstplan, mit entsprechender Ausgestaltung, kann der Entlastung „unerfahrener Mitarbeiter“ dienlich sein.

Letztendlich ist der neue Mitarbeiter auch selbst gefordert. Mitreden kann man nur, wenn man über entsprechende Sachkunde bzw. Kenntnisse verfügt. Tarifverträge regeln Rechte und Pflichten von Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Aus dem Betriebsverfassungsgesetz, Arbeitszeitgesetz, und Arbeitsstättenverordnung ergeben sich verbindliche Vorgaben für alle Beteiligten.

 Text: Alfred Brandner

Bild: retter.tv Symbolbild

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