Rettungskette im Offshore-Bereich

Da sind wir noch ganz am Anfang des Weges, und müssen wir noch umfangreich nachjustieren, Einsatzfälle gab es bereits, und sie haben sich auch bei genauerem Hinsehen auch weitestgehend bewährt. Alpha-Ventus zum Beispiel war der erste Offshore-Windparks Deutschlands.

So beschäftigen wir uns mit dem Thema Sicherheit und betrachten mit anderen Betreibern umfangreich dieses Thema, nicht nur im Offshore Bereich sondern auch für auf Land befindliche WEA.

Nun sollen diese Offshore-Windparks eine herausragende Rolle in der Energiewende spielen, aber die Bedingung die im Notfall auf die Retter zukommen, sind mit keinem anderen Einsatzfeld zu vergleichen. Berücksichtig man die wechselhaften Wetterlagen und strengen Wintermonate, dann muss alles stimmen, einen Fehler kann man sich hier nicht erlauben, sagt Andreas Teichert, der Präsident der Vereinigung für internationale Katastrophenhilfe e.V. DTRG, im Gegensatz zur Technik, kann ein verunfallter oder verletzter /erkrankter Arbeiter nicht Tage oder Wochen auf Rettung warten.

Es muss sich also frühzeitig die Frage gestellt werden, wie gehen wir taktisch am Besten bei einem Einsatz, bei schlechten Wetterbedingungen oder in den Wintermonaten vor, wie schwer kann eine Rettung ohne die Unterstützung von wassergebundenen Fahrzeugen oder der Luftrettung werden, besteht die weitere Möglichkeit die Marineflieger zuhilfe zu nehmen?

Alle diese Fragen sind noch sehr jung, aber bei einem angedachten weiteren Ausbau gelten diese Frage als elementar und hochwichtig, und müssen gestellt werden.

Auch bedarf es zweier Leitstellen für die Seebereiche Ost und Nord. Die Rettung im Offshore Bereich ist ein völlig neues Geschäftsfeld und bedarf vollkommen neuer und angepasster Strategien, der herkömmliche Einsatz von persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz und weiterer Einsatzgerätschaften ist modular zu betrachten und an die möglichen Einsatzsituationen anzupassen. Auch muss das Zusammenspiel verschiedenster Teile in einer Rettungskette konsequent und verstärkt vorangetrieben werden, der Anbeginn ist kostenintensiv, zahlt sich aber auf Dauer aus und trägt so unweigerlich zur Betriebssicherheit bei, und stärkt die Verantwortung der Betreiber im Bereich Arbeitsschutz.

Ausgefeilte Übungen im Bereich der Rettung, der Versorgung und des Abtransport von verletzen Personen müssen regelmäßig betrieben werden. Ohne Zweifel gilt besonders hier, dass alle Szenarien durchgespielt werden müssen. Auch der Abbruch des Einsatzes eines Helikopters und das Ausbleiben eines bereitstehenden Wasserfahrzeuges es muss abstrakt gedacht und gehandelt werden fügt Andreas Teichert hinzu.

Ebenfalls mit eingebunden sollten die landgebundenen Rettungskräfte sein. Das Spektrum ist vielfältig und der Faktor Zeit lässt in vielen Fällen kein ausreichendes Zeitfenster um Maßnahmen erst im Fall der Fälle richtig zu justieren. Das muss von Anfang an stimmen, meint Teichert.

Die Rettungsmaßnahmen im Offshore Bereich lassen keinen Spielraum, ein Vergleich mit Einsätzen und nachrückenden Einsatzkräften, wie auf dem Festland braucht man nicht einmal ansatzweise in Betracht ziehen. Vergangene Unglücksfällen haben gezeigt, welche Komplikationen auftreten können, wichtig ist, dass man hier in die Fähigkeit hat, abstrakt zu denken.

Nicht immer ist es nur eine Schnittwunde oder ein Herzversagen, auch die Tatsache das bereits bei in Bau befindlichen Anlagen Unglücksfälle entstehen können, rechtfertigt den Gedanken daran, dass es mehr Bedarf als nur Notarzt und Rettungsassistenten.

Betrachtet man zum Beispiel einen 45 Kilometer vom Festland entfernten Windpark, auf dem es zu einem Arbeitsunfall kommt, muss von der Alarmmeldung bis zum Eintreffen des Rescue-Teams alles stimmen. Hierzu zählt nach Auffassung von Teichert, dass es kleiner taktisch und technisch gut aufgestellter und ausgebildeter Einsatzkräfte bedarf.

Neben dem Bereich der Helikoptergestützten Rettung ist das Wissen in der primären Rettungsmedizin notwendig, ebenso umfangreiche Kenntnis in der Seilzugangstechnik. Hat man es dann noch mit einer womöglich unter Bauteilen eingeklemmten Person zu tun, stoßen bisherige Rettungsmannschaften schnell an ihre Grenzen. Im Weiteren muss die Tatsache erkannt werden, dass auch die Kenntnis im Bereich Anschläge und Anschlagspunkte in der Seilzugangstechnik zum Wissensumfang zählen muss, genauso wie auch der Umgang mit “Hydraulischen Rettungsgeräten”, Neben dem wichtigen Notarzt ist daher ein gut aufgestelltes und ausgebildetes Team an seiner Seite – und zu allen Jahreszeiten unerlässlich. Bei unseren Gedanken setzen wir bereits auf den Zeitpunkt der Errichtung solcher Bauwerke, und sekundär erst auf Situationen im laufenden Betrieb. Das Grundwissen der Rescue-Teams in den verschiedensten Rettungsmethoden sitzt dann genauso sicher, wie zum Zeitpunkt der Errichtung und daraus entstehende möglichen Einsätze.

Auch das Thema „Brandausbruch in Beherbergungscontainern“ in den Errichtungsphasen wie auch das Thema „Retten und Selbstretten aus Gefahrensituationen“ im Offshore-Bereich zeigt auf, wie weit das Spektrum reichen kann.

Neben einer kurzen Grundausbildung sind auch die von uns modifizierten Rettungsoveralls ein weiterer Schritt in die richtige Richtung um auch diesem Thema zu begegnen. Man muss überlegen, wie man der Arbeitssicherheit im Offshore Bereich am besten Rechnung tragen kann, denn hier ist Sicherheit nur mit Vorbeugen und Vorausschauen zu erreichen und dazu muss man zentrale Fragen verstehen und taktische Vorgehensweisen erkennen.

Grundsätzlich sehen wir hier nur das klassische Rendezvous-Verfahren von Wasser-, und Luftgebundenen Einheiten. So bedarf es eines leistungsstarken Rettungsbootes und einen kooperierenden Helikopters. In akuten Notfällen muss bei schlechten Wetterbedingungen eine sofortige Hilfe möglich sein, zur Not auch nur mit dem Boot. Aber auch als Gerätezubringer von Land oder des in der Nähe liegenden Rettungsbootes durch den Helikopter muss dabei möglich sein. Weiterhin die Aufnahme von Rescue-Team vom Boot über den Helikopter zur Offshore-Anlage ist eine Option.

Was zählt ist der Faktor “Zeit” und diesen beschreiben wir als Hilfsfrist. Schlussendlich kommt es auch auf das Verantwortungsgefühl der eingesetzten Arbeiter selbst an, das die Wahrscheinlichkeit von Fehlverhalten oder Arbeitsunfällen allein eintreten kann, kann nicht allein die Frage sein.

Wir werden uns daher in den kommenden Monaten diesem Thema noch intensiver widmen. Darüber hinaus fördert die Berufsgenossenschaft Handel und Warendistribution (BGHW) beispielsweise die Erarbeitung eines Rettungskonzepts für Unfallverletzte in Offshore-Windanlagen durch das Berufsgenossenschaftliche Unfallkrankenhaus Hamburg.

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am 14.04.2013 11:08
von retter.tvretter.tv Profilbild     
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