Ruhr-Universität Bochum: Steigende Gewalt gegenüber Rettungskräften im Einsatzdienst

Nordrhein-Westfalen | am 13.06.2012 - 11:34 Uhr | Aufrufe: 2461

Eine Studie der Ruhr-Universität Bochum kommt zu dem erschreckenden Schluss, dass die verbale und auch körperliche Gewalt gegen Rettungskräfte im Einsatz in den letzen Jahren stark zugenommen hat. Die Gewerkschaften fordern die Arbeitgeber auf, angemessen auf die Ergebnisse zu reagieren.

98% aller Rettungsdienstler in Nordrhein-Westfalen erlebten bereits verbale Gewalt

Im Auftrag der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen verfasste die Ruhr-Universität Bochum (RUB) eine Studie zu dem Thema „Gewalt gegen Rettungskräfte im Einsatz“. Das Ergebnis: 98% aller Rettungskräfte in Nordrhein-Westfalen haben bereits verbale Gewalt erlebt, 59% berichten sogar von einem aggressiven Übergriff. Die häufigsten Attacken gegen die Rettungsdienstler äußern sich in Abwehren, Wegschubsen und Anspucken, wirklich unglaublich! Außerdem fühlen sich die Rettungskräfte nur unzureichend auf Konfliktsituationen vorbereitet und sind oft überfordert. Sie wünschen sich Angebote in der Aus- und Weiterbildung, bei denen sie „körperschonende“ Abwehrtechniken zur Deeskalation gezeigt bekommen.

Gewerkschaften sehen Betreiber der Rettungsdienste in der Pflicht

Jetzt fordern auch die komba gewerkschaft nrw, die Fachgewerkschaft im DBB Beamtenbund und die Tarifunion die öffentliche Arbeitgeber auf, angemessene Konsequenzen aus der Studie der Ruhr-Universität zu ziehen und schnell zu reagieren. Die Betreiber der Rettungsdienste stehen in der Pflicht, ihre Retter zu schützen und sollten die Lösungsvorschläge, die in der Studie getroffen werden, prüfen. Kritische Situationen sollten gezielt in der Ausbildung geübt und Rettungskräfte physisch und psychisch auf konfliktbehaftete Situationen vorbereitet werden.

Mitarbeiter des DRK kauften sich bereits auf eigene Kosten Stichschutzwesten

Auch der Rettungsassistent Sebastian Willer der Feuerwehr Mönchengladbach kann die Ergebnisse der Experten bestätigen. Am schlimmsten seien alkoholisierte und unter Drogen stehende Opfer, diese kennen keine Hemmschwelle mehr. Die Mitarbeiter des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) im Nürnberger Rettungsdienst haben sich sogar schon auf eigene Kosten Stichschutzwesten zugelegt. Der stellvertretender Vorsitzender des Fachbereichs Feuerwehr und Rettungsdienst der komba gewerkschaft nrw hält dieses Vorgehen allerdings für übertrieben. Durch das permanente Tragen von Schutzwesten verschwimmen die Grenzen zwischen polizeilicher und nicht polizeilicher Gefahrenabwehr noch mehr. Er schlägt eine bundesweite Datenbank vor, in der alle Vorfälle registriert und ausgewertet werden, damit man entsprechende Maßnahmen ergreifen kann.

Hier erfahren Sie mehr über die Studie der Ruhr-Universität Bochum, die eine steigende Gewalt gegen Rettungskräfte im Einsatz aufzeigt.

Bild: retter.tv Archivbild

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