Taekwondo als Therapie bei posttraumatischer Belastungsstörung nach Dienstunfall auf Einsatzfahrt

Deutschland | am 02.06.2012 - 10:43 Uhr | Aufrufe: 1417

Nach einem Dienstunfall auf einer Einsatzfahrt sind die physischen und psychischen Kräfte eingeschränkt. Ein ausgeklügeltes Sportprogramm kann zur physischen und psychischen Stabilisierung beitragen.

Einsatzfahrten mit Sonderrechten beinhalten ein relativ hohes Gefahrenpotenzial. Dieser erhöhten Gefahrenlage müssen Fahrer/Innen von Einsatzfahrzeugen mit erhöhter Aufmerksamkeit begegnen, darüber besteht kein Zweifel. Dieser Sachverhalt dürfte in Fachkreisen allgemein bekannt sein, und doch kommt es immer wieder zu Unfällen mit unangenehmem Unfallfolgen.

Alarm zu Einsatz mit Sonderrechten

Und nun versetzen Sie sich in die Situation, sie haben Dienst als Beifahrer auf einem Einsatzfahrzeug. Es kommt der Alarm zu einem Einsatz mit Sonderrechten. Das Einsatzfahrzeug nähert sich einer großen Kreuzung, und der Fahrer muss zunächst wegen der Verkehrslage (Rückstau) vor der Kreuzung die Geschwindigkeit herabsetzen, und fährt dann zügig bei roter Ampelstellung auf den Kreuzungsbereich zu.

Einsatzfahrzeug fährt in querenden PKW

Als Beifahrer sehen Sie lange im Voraus ein Fahrzeug, das sich von rechts der gut ein sichtlichen Kreuzung nähert. Sie versuchen mit lauten Warnrufen Einfluss zu nehmen, doch der Fahrer zeigt keine Reaktion, und fährt wie gehabt „zügig“  bei roter Ampelstellung in den Kreuzungsbereich ein. Es kommt, was in dieser Situation „unausweichlich“ kommen muss. Das Einsatzfahrzeug „schießt“ den querenden PKW ab.

Machtlos dem Crash entgegen sehen

Die Folgen sind für den Fahrer des betroffen PKW nicht unerheblich. Eine medizinische Versorgung durch Notarzt und Rettungsdienst vor Ort wird erforderlich. Selbst  dem verunglückten Einsatzfahrzeug entkommen, stellen Sie fest, dass bei Ihnen keine nennenswerten Verletzungen zu verzeichnen sind. Große Verärgerung, über diesen Unfall, das sind die eigentlichen wahrnehmbaren  Anzeichen. Machtlos, ohne eine Möglichkeit das nahende Unglück abwenden zu können,  mussten Sie dem Horror – Crash  entgegen sehen.

Geschehen im Unterbewusstsein gespeichert

Es folgt die Vernehmung durch die Polizei, danach werden Sie zunächst aus dem Dienst genommen. Nach einigen Freischichten sind Sie wieder in den regulären Dienstbetrieb eingebunden, doch das Unfall - Geschehen scheint im Unterbewusstsein gespeichert zu sein. Regelmäßig werden Sie durch Unfall -Träume aus dem Schlaf geholt. Die Folgen sind anhaltende Erschöpfungszustände die das Leben entscheidend beeinträchtigen.

Mediziner rät zu fachärztlicher Hilfe

Obwohl bei dem Unfall keine körperlichen Verletzungen erlitten wurden, entscheiden Sie sich nun in dieser Phase, das Geschehen nach  BG-Kriterien in der Notaufnahme einer Klinik erfassen zu lassen. Der diensthabende Mediziner, ist entgegen Ihrer Meinung, dass Selbstheilungskräfte den ursprünglichen Gesundheitszustand wieder herstellen könnten, davon überzeugt dass fachärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden muss.

Physischen und psychischen Kräfte sind eingeschränkt

Sie bekommen einen Überweisungsschein, suchen sich eine Facharztpraxis, und sind bemüht  einen Termin zu bekommen. Doch das ist leichter gesagt als getan. Einige Wochen vergehen bis dieser Wunsch in Erfüllung geht. Endlich ist es soweit. Ihre physischen und psychischen Kräfte sind zwischenzeitlich merklich eingeschränkt.  Nach ersten Gesprächen und weiteren diagnostischen Maßnahmen,  schreibt Sie der Facharzt krank.

Sportprogramm erleichtert Weg zur Genesung

Neben stützenden Gesprächen, wird nach Absprache mit dem Mediziner, ein sehr individuelles, sorgfältig gewähltes, und täglich stattfindendes Sportprogramm den Weg zur Genesung erleichtern. Regelmäßiges mentales Training wird Sie begleiten.

Kontrolliertes Atmen (Meditation)

Jeder neue Tag beginnt mit Atemübungen. Sie atmen durch die Nase ein, und durch den geöffneten Mund aus. Es sollte sich hierbei um eine Zwerchfellatmung mit verlängerter Ausatemphase handeln. Mit ruhigen, gleichmäßigen Atemzügen, kann man sich in einen Zustand der Entspannung versetzen. Und nicht nur das, der Sauerstoffgehalt im Blut steigt auf nahezu optimale Werte.

Krafttraining

Dem mentalen Training folgt das tägliche  Krafttraining. Nahezu alle Körpermuskeln werden trainiert- effektiv und ohne Geräte. Neben diesen täglichen Ausführungen, steht dreimal in der Woche das sportliche Hauptprogramm im Taekwondo- Center auf dem Plan.

Allgemeines Aufwärmen

Eine Trainingseinheit  beginnt immer mit dem allgemeinen  Aufwärmen. Um einen positiven Effekt zu erzielen, macht es Sinn, möglichst ein Drittel der Körpermuskulatur in die Bewegungsabläufe mit einzubeziehen. Nicht fehlen sollte ein individuelles  Aufwärmen.

Dynamische und statische Gymnastik

Ein weiterer und unverzichtbarer Bestandteil aller Maßnahmen ist die sogenannte dynamische Gymnastik. Hier werden  regelmäßig Maßnahmen ergriffen, die den ganzen Körper in Bewegung setzen. Als Beispiel stehen  laufen, springen, hüpfen, tanzen und andere.

Zur Stärkung der Muskulatur bedarf es der statischen Gymnastik. Es werden Übungen ausgeführt, die man ohne sich von der Stelle zu bewegen, stehend, sitzend oder liegend ausübt. Das sind z.B. Liegestütze, Bauchpressen und Klimmzüge.

Taekwondo spezifische Trainingseinheiten

Geübt wird das sogenannte Formenlaufen. (Poomse) Ein Kampf gegen imaginäre Gegner wird dargestellt. Gefragt ist hierbei hohe Konzentration. Weiterer und fester Bestandteil jeder Trainingseinheit ist die Selbstverteidigung (Hosinsul). Hierzu gehören z.B. Befreiungstechniken aus Festhalte- und Würgegriffen. Abwehr von Faustschlägen und Fußtritten. Es geht weiter mit dem Freikampf (Chayu-Taeryon).  Erlernte Taekwondo –Kampf -Techniken werden gegen angreifende Gegner im realistischen Kampfgeschehen eingesetzt.

Abschließend möchte ich zum Ausdruck bringen, dass man bei regelmäßiger Ausübung des Taekwondo, sehr wohl von positiven Auswirkungen auf die physische- und psychische Gesundheit sprechen kann. In meinem speziellen Geschehen war dieser Sport das wichtigste Therapeutikum. Völlig gesund, und voller Lebensfreude, genieße ich die greifbaren angenehmen Dinge des täglichen Lebens. 

Textautor: Alfred Brandner

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