UNICEF fordert zur Afghanistan-Konferenz in Bonn Sicherheit und Lebenschancen für Kinder

Kurz vor Beginn der Afghanistan-Konferenz am 5. Dezember 2011 in Bonn fordert UNICEF ein nachhaltiges Engagement der internationalen Gemeinschaft, um die Lebensbedingungen der Kinder zu verbessern.

UNICEF fordert zur Afghanistan-Konferenz in Bonn Sicherheit und Lebenschancen für Kinder „Die Kinder in Afghanistan brauchen Sicherheit, Bildung und konkrete Lebenschancen. Nur so kann langfristig eine friedliche Entwicklung eingeleitet werden“, sagte Tom Koenigs, Vorstandsmitglied von UNICEF-Deutschland und ehemaliger Sonderbeauftragter der Vereinten Nationen für Afghanistan.

 

Zehn Jahre nach dem Sturz der Taliban gibt es in Afghanistan zwar deutliche Verbesserungen bei der Bildung und bei der Gesundheitsversorgung. Doch die Lebensbedingungen der Kinder gehören laut UNICEF weiter zu den schlechtesten weltweit. Durch den jahrzehntelangen Konflikt fehlen in vielen Landesteilen elementare Strukturen, damit alle Kinder gesund und sicher aufwachsen können und ihre Rechte geschützt sind.

So sind die Überlebenschancen der Kinder nach Angaben von UNICEF immer noch schlecht. Eine neuere Untersuchung der afghanischen Regierung geht zwar von einem deutlichen Sinken der Kindersterblichkeit aus. Doch weil ganze Landesteile für Datensammlungen kaum zugänglich waren, können diese Aussagen noch nicht bestätigt werden. UNICEF geht aktuell weiter davon aus, dass immer noch nahezu jedes fünfte Kind seinen fünften Geburtstag nicht erlebt – dies waren 2009 allein 237.000 Todesfälle. Viele dieser Kinder sterben an vermeidbaren oder behandelbaren Krankheiten wie Masern, Lungenentzündung und Durchfall.

Auch die Müttersterblichkeit in Afghanistan ist weiter extrem hoch. So bringen die meisten Schwangeren ihre Kinder immer noch ohne jegliche medizinische Hilfe zur Welt. UNICEF bildet Hebammen aus und unterstützt die Einrichtung von Geburtshäusern in den Provinzen. UNICEF beschafft auch Impfstoffe und weiteren Bedarf für Impfkampagnen, um Kinder vor gefährlichen Infektionskrankheiten wie Polio und Masern zu schützen. Im Jahr 2010 wurden allein sieben Millionen Kinder geimpft. UNICEF verteilt auch Vitamin-A-Kapseln und Entwurmungstabletten.

Heute gehen acht Millionen Kinder in Afghanistan zur Schule. Nach dem Sturz der Taliban 2001 waren es weniger als eine Million. Viele Mädchen haben seither erstmals Zugang zu Schulbildung bekommen – trotzdem gehen immer noch schätzungsweise 60 Prozent der Mädchen nicht zum Unterricht. Die Qualität des Unterrichts ist durch den Mangel an Lehrkräften und Unterrichtsmaterial besonders in ländlichen Gebieten unzureichend. Gemeinsam mit der Regierung setzt sich UNICEF für kinderfreundliche Schulen ein, stellt große Mengen Schul- und Lernmaterial bereit und fördert besonders die Ausbildung von Lehrerinnen. Im vergangenen Jahr konnten allein 400 Schulen in Konfliktregionen wieder instand gesetzt werden.

UNICEF arbeitet seit 1949 in Afghanistan. Der anhaltende Konflikt und die Unsicherheit erschweren bis heute den Aufbau funktionsfähiger Strukturen und Einrichtungen für Kinder. Immer wieder kam es in den vergangenen zehn Jahren auch zu Rückschlägen und Attacken gegen Helfer. Trotzdem konnten UNICEF und seine Partner in einem der schwierigsten Länder der Welt die Grundversorgung für viele Kinder verbessern.

Quelle: UNICEF

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