Was bringt die Novellierung des Rettungsassistentengesetzes? Interview mit dem DBRD

Berlin | am 11.06.2012 - 10:26 Uhr | Aufrufe: 5361

Lange schon wird sie diskutiert und nun soll sie wirklich kommen, die Novellierung des Rettungsassistentengesetzes. Der Deutsche Berufsverband Rettungsdienst e.V. war von Anfang bis Ende mit an dem Entwicklungsprozess im Bundesministerium für Gesundheit dabei. retter.tv hat mit Marco K. König dem 1. Vorsitzenden des DBRD ein Interview über den „Referentenentwurf über das Notfallsanitätergesetz (NotSanG)“, so der offizielle Name, geführt.

Herr König, warum ist es Ihrer Meinung nach wichtig, dass das Rettungsassistentengesetz novelliert wird?
Bereits wenige Jahre nach Inkrafttreten des RettAssG haben verschiedene Institutionen und Verbände eine Novellierung als notwendig erachtet. U. a. ist die bis heute anhaltende Rechtsunsicherheit sehr unbefriedigend, und die Ausnahmeregelung, dass Rettungssanitäter ihre Ausbildung anrechnen lassen können, wurde zum Regelfall. Zudem war die Ausbildung im Vergleich zu anderen Gesundheitsberufen mit der Selbstfinanzierung durch die Auszubildenden, die Blockausbildung mit der praktischen Ausbildung nach dem Staatsexamen und einer zweijährigen Ausbildungsdauer nicht mehr zeitgemäß.

Welche Neuerungen ergeben sich für Beschäftigte im Rettungsdienst wenn die Novellierung des Rettungsassistentengesetzes auf derzeitigem Stand verabschiedet wird?
Die Kernpunkte sind das Ausbildungsziel, die Ausbildungsstruktur und die Finanzierung. Wir sind der Auffassung, dass das Ausbildungsziel zukunftsfähig ausgerichtet ist und zu mehr Rechtssicherheit bei invasiven Maßnahmen führt. Zudem erhalten die Ärztlichen Leiter der Rettungsdienste mehr Verantwortung. Der Aufbau der Ausbildungsstruktur wurde dem Krankenpflegegesetz angepasst und umfasst einen 60prozentig höheren Unterrichtsanteil sowie 40 Prozent mehr Klinikpraktika. Wir haben in der Expertengruppe im Bundesministerium für Gesundheit erfolgreich auf deutlich längere Einsätze in den Krankenhäusern gedrängt, da vor allem hier invasive Maßnahmen sicher geschult werden können. Auch bei den Prüfungen gibt es erhebliche Veränderungen. So sind zukünftig drei Klausuren, vier praktische Prüfungen sowie eine deutliche längere mündliche Prüfung gefordert. Eine wesentliche Errungenschaft ist zudem, dass die Kosten durch die Krankenkassen zu tragen sind und eine Ausbildungsvergütung vorgesehen ist.

Welche Neuerungen ergeben sich für Patienten wenn die Novellierung des Rettungsassistentengesetzes auf derzeitigem Stand verabschiedet wird?
Die Novellierung ist sicherlich das Fundament, aber es muss sich auch in den Rettungsdienstgesetzes der Länder wiederfinden. Der zukünftige Notfallsanitäter wird Entscheidungen schneller treffen können und Maßnahmen noch sicherer durchführen. Zudem stehen Notärzte dem kritischen Patienten schneller zur Verfügung, da sie effizienter eingesetzt werden können.

Welche Punkte sind Ihrer Meinung nach die Wichtigsten innerhalb des Referentenentwurfs?
Wir sind der Meinung, dass sich die Rechtsicherheit bei invasiven Maßnahmen mit der dreijährigen und alternierenden Ausbildung widerspiegelt. Aber auch die Kostenübernahme für Ausbildung und Vergütung ist deutliche Verbesserung für die seit langem gekämpft wird.

Welche Punkte beziehungsweise Regelungen fehlen Ihrer Meinung nach in dem Referentenentwurf?
Der DBRD schlägt vor, dass unabhängig ihrer Berufserfahrung für alle Rettungsassistenten zu einer Qualifizierung zum Notfallsanitäter die gleichen Übergangsvorschriften gelten. Des Weiteren sehen wir es als nicht zielführend an, den Auszubildenden ausschließlich als dritte Einsatzkraft zusätzlich auf den Rettungsmitteln einzusetzen. Das NotSanG kann aber auch nur ein Baustein für ein professionelleres Rettungsdienstsystem in Deutschland sein. Auch nach Verabschiedung des Berufsgesetzes muss noch weitere Arbeit geleistet, vor allem in den Bundesländer und Rettungsdienstbereichen.

Welche Hauptargumente führen die Kritiker der Novellierung des Rettungsassistentengesetzes hauptsächlich an und wie begegnen Sie diesen?
Leider wurde am Anfang viel über die Berufsbezeichnung Notfallsanitäter diskutiert und viele haben dieses über den Inhalt des Gesetzes gestellt. Ich glaube, dass egal welche Bezeichnung am Ende herausgekommen wäre, es immer Anlass zur Kritik gibt. Zudem hatten wir entsprechende Vorgaben des BMG umzusetzen. Des Weiteren gibt es Meinungen, dass das Gesetz aufgrund der hohen Kosten scheitern wird. Allerdings haben der Bund sowie die Bundesländer eine gute Gesundheitsvorsorge im Rahmen der Daseinsvorsorge sicherzustellen und die Kostenträger miteinzubeziehen. Wenn wir übrigens den Rettungsdienst und deren Kosten ganzheitlich betrachten würden, werden sicherlich interessante Ergebnisse herauskommen.

Was erwartet mich durch die Novellierung wenn ich im Moment bereits als Rettungsassistent arbeite?
Der Rettungsassistent wird seinen Berufsstatus behalten und insbesondere aufgrund des noch zunehmenden Fachkräftemangels seinen Stellenwert haben. Zudem hat er die Möglichkeit die Prüfung im Rahmen einer Übergangsregelung zu absolvieren, um dann die neue Berufsbezeichnung mit allen Rechten, aber auch Pflichten tragen zu dürfen. Der Gesetzentwurf sieht zurzeit noch eine unterschiedliche Behandlung ohne oder mit Vorbereitungslehrgang von bis zu sechs Monaten vor. Wir setzen uns aber für eine einheitliche Regelung ein.

Wie lange kann es nun noch dauern, bis die Neuerungen tatsächlich in Kraft treten?
Wir hoffen, dass das Gesetz noch in diesem Jahr verabschiedet wird. Danach sind die Bundesländer in der Pflicht ihre Rettungsdienstgesetze den neuen Voraussetzungen entsprechend anzupassen. Da aber nicht alle Rettungsassistenten zur gleichen Zeit weiterqualifiziert werden können, denke ich, dass es eine Übergangszeit von bis zu wenigen Jahren geben wird.

Vielen Dank für das Interview!

 

 

 

 

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