World Vision fordert massive Investitionen in die Landwirtschaft von Entwicklungsländern

Friedrichsdorf | am 17.10.2011 - 10:30 Uhr | Aufrufe: 263

Mit besseren Lagermethoden den Lebensmittelspekulanten den Nährboden entziehen. In den vergangenen Jahrzehnten konnten die Ernteerträge in der weltweiten Landwirtschaft im Schnitt deutlich gesteigert werden – und dennoch hungern fast eine Milliarde Menschen.

World Vision - Zukunft für Kinder!Neben verheerenden Dürreperioden wie jetzt am Horn von Afrika gibt es vielfältige Gründe für dieses Missverhältnis – doch zwei Faktoren spielen nach Angaben des Kinderhilfswerks World Vision große Rollen: Regional ineffiziente Anbaumethoden und falsche Lagertechniken.

Um zunächst einmal die Ernteerträge selbst zu steigern setzt World Vision auf innovative Techniken und Ausbildung von Bauern. So wurden in mehreren Dürreregionen Afrikas neue Methoden des Anbaus erfolgreich umgesetzt. Dazu gehört der Anbau Dürre toleranter Pflanzen, der Bau von Regenauffangbecken oder auch das Training von Bauern in Bezug auf den optimalen Erntezeitpunkt sowie von effizienten Techniken in der Lagerung und Verarbeitung von Lebensmitteln. Die Bauern erfahren auch, welche Pflanzen besonders wertvolle Inhaltsstoffe etwa für schwangere Frauen oder für Kinder beinhalten und wie diese Pflanzen mit möglichst geringem Aufwand angebaut werden. „Doch verbesserte Anbaumethoden allein reichen nicht“, erklärt die Ernährungsexpertin von World Vision, Christina Grünewald. „Vor allem in Entwicklungsländern geht ein großer Teil der Ernte durch falsche Lagerung, durch mangelnde Infrastruktur und lückenhafte Lieferketten verloren.“

So werden bis zu 20 Prozent der Reisernte in asiatischen Ländern durch falsche Lagerung vernichtet. Auch Obst und Gemüse werden häufig falsch gelagert und verrotten schon kurz nach der Ernte. Nach Schätzungen von Fachleuten belaufen sich die jährlichen Verluste nach der Ernte auf bis zu 150 Millionen Tonnen Getreide – mehr als genug, um alle Hungernden auf der Welt zu ernähren. Und so auch die Spekulation mit Grundnahrungsmitteln einzudämmen.

Angepasste Lagerungstechniken, etwa in einfachen Silos oder das Trocknen von Obst vor Ort und ein ausgebautes Straßennetz zur schnellen Distribution von Lebensmitteln helfen, die Ernteverluste deutlich zu reduzieren. „Wenn aber mehr Nahrungsmittel die Märkte erreichen, dann wird Spekulanten die Grundlage für ihre Preis treibenden Geschäfte entzogen“, erklärt Grünewald. „Dadurch wird der enorme Preisanstieg für Grundnahrungsmittel und somit auch die Verarmung von Millionen Menschen verhindert.“

Ein Beispiel: Im Antsokia-Tal in Äthiopien hat das Engagement von World Vision schon viel bewirkt. Wo in den 1980er Jahren noch Hungersnot herrschte , wachsen jetzt in Mischkulturen Mangos, Getreide, Gemüse. Wälle wurden gebaut, um die Bodenerosion zu stoppen, Straßen, um Güter schneller von einem Ort zum anderen bringen zu können.

„Die Ergebnisse im Antsokia-Tal beweisen, dass es möglich ist, Hunger erfolgreich und nachhaltig zu bekämpfen“, betont Christina Grünewald. „Aber es gibt noch zu viele Regionen in der Welt, wo Nahrungsmittel unnötig verrotten und Menschen Hunger leiden.“ Um global effektiv helfen zu können, muss von politischer Seite, und hier vor allem von den Geberländern, deutlich mehr Unterstützung geleistet werden, fordert World Vision. Die Weltbevölkerung wird laut UN bis zum Jahr 2050 auf 9 Milliarden Menschen, der Bedarf an Lebensmitteln um 70 Prozent ansteigen. Dieser Bedarf ist nur zu decken, wenn massiv in Ausbildung und Infrastruktur in Entwicklungsländern investiert wird.

Quelle: World Vision

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