Interview mit Hannes Jähnert, Referent beim Zukunftskongress "Engagement heute"

Münster (Westfahlen) | am 28.10.2011 - 19:20 Uhr | Aufrufe: 2402

Hannes Jähnert wird auf dem Zukunftskongress Ehrenamt und Freiwilligendienst "Engagement heute" zum Thema "Von Flyer zu Facebook & Co.: Wie gewinnen wir zukünftig unsere Freiwilligen?" referieren. Wir haben Ihn für Sie interviewt.

1.    Stellen Sie sich bitte kurz vor.

Interview mit Hannes Jähnert, Referent beim Zukunftskongress "Engagement heute"
Mein Name ist Hannes Jähnert, ich bin als freier Mitarbeiter und Dozent der Akademie für Ehrenamtlichkeit Deutschland (fjs e.V.) tätig. Meine Themenschwerpunkte sind Online-Volunteering – die Freiwilligenarbeit über das Internet – Freiwilligen-Management, Bürger- und Zivilgesellschaft in Zeiten von Social Media und soziale Geschlechtlichkeit (Gender). Zu diesen Themen veröffentliche ich regelmäßig Beiträge in meinem Weblog (www.hannes-jaehnert.de). Darüber hinaus bin ich seit einigen Jahren auf unterschiedlichen Social Networking Plattformen aktiv (z.Zt. Twitter, Facebook, Google+) und konnte dort bereits viele wichtige Erfahrungen sammeln. Meinen Master der Bildungswissenschaft – mit dem Schwerpunkt empirischer Forschung – werde ich voraussichtlich im kommenden Jahr abschließen.


2.    Welche Aufgabe haben Sie bei der Akademie für Ehrenamtlichkeit?


Als freier Mitarbeiter und Dozent der Akademie für Ehrenamtlichkeit Deutschland (kurz AfED) gestalte ich Workshops und Präsentationen zu meinen Schwerpunktthemen. Bei meinen Tätigkeiten in und um die AfED verstehe ich mich v.a. als Lernender und scheue so auch keine Diskussion. So pflege ich bspw. die Facebook-Seite freiwilligenmanagement.de, auf der ich regelmäßig Informationen und Fachbeiträge zu Neuigkeiten aus der Freiwilligenarbeit und dem Freiwilligen-Management einstelle und mit Interessierten diskutiere. In meiner Tätigkeit als Dozent spielen z.Zt. vor allem die ersten Schritte ins Social Web und der dann folgende strategisch geplante Interneteinsatz in der Freiwilligenarbeit eine gewichtige Rolle.


3.    Was erwarten Sie von dem Zukunftskongress Ehrenamt heute?


Ich denke beim Zukunftskongress Ehrenamt des Deutschen Roten Kreuzes erwarten mich aufgeschlossene und interessierte Teilnehmende, die sich nicht nur auf das Zuhören beschränken wollen. Ich freue mich auf kritische Diskussionen und das spürbare Engagement der vielen Freiwilligen-Managerinnen und -Manager des DRK.


4.    Über was genau werden Sie beim Kongress referieren?


Nach spannenden Inputs zum „Freiwilligenstatus“, dem „Bundesfreiwilligendienst“ und „Freiwilligen aus dem Ausland“ werde ich im vierten Workshop des fünften Forum  über die Möglichkeiten und Grenzen des Social Media Einsatzes bei der Gewinnung von Freiwilligen sprechen. Unter dem Titel „Vom Flyer zu Facebook & Co.“ möchte ich gern mit einigen Mythen über das Web 2.0 aufräumen, die (soziale) Funktionsweise von Social Networks erläutern und anschließend einen möglichen Weg zur Diskussion stellen, wie über Facebook, Twitter & Co. neue Freiwillige für das DRK gewonnen werden können.


5.    Wie problematisch ist die Situation der mangelnden Freiwilligentätigkeit?


Ob es in Deutschland an Freiwilligentätigkeit mangelt, darüber lässt sich streiten. Fakt ist, die Quote derer, die angeben „bestimmt“ oder „eventuell“ zum freiwilligen Engagement bereit zu sein, war laut Freiwilligensurvey 2009 das erste Mal höher als die der Engagierten. Über 23 Mio. Deutsche sagen also, sie wären bereit sich zu engagieren, tun es aber nicht. Besonders unter den jungen Menschen (14 bis 24 Jahre) ist diese Diskrepanz ausgeprägt. Wenn wir nicht bald beginnen, neue Wege ins freiwillige Engagement zu finden und zu etablieren (z.B. Online- bzw. Micro-Volunteering), sind wir später vielleicht nicht mehr in der Lage eben diese jungen Menschen zu sozialem Engagement – womit ich sowohl das Retten anderer Menschen in Not als auch das Blut- oder Geldspenden einschließe – zu bewegen. Gerade das werden wir in Zukunft aber mehr und mehr brauchen.


6.    Wie werden bisher freiwillig Engagierte angeworben und welche Möglichkeiten kann es in Zukunft geben?


Die Werbung Freiwilliger geschieht derzeit auf sehr unterschiedlichen Wegen. Auf den Webseiten vieler Organisationen finden sich Ansprechpartnerinnen und -partner für Interessierte Freiwillige; oft auch ausformulierte Engagementangebote. Überdies werden Engagementwillige auch über Zeitungsannoncen, Plakate und natürlich Flyer angesprochen. Viele Interessierte kommen zudem einfach beim Tag der offenen Tür oder bei anderen Veranstaltungen der jeweiligen Organisation vorbei und fragen persönlich nach, ob und wo ihre Unterstützung gefragt ist. In besonderer Weise sind es aber die Bezugspersonen, die Freundinnen und Freunde, die Bekannten oder Verwandten, die eine Freiwilligenorganisation empfehlen oder vielleicht von ihr abraten. Genau diese „schwachen Beziehungen“ können in Zukunft verstärkt für die Engagementförderung in den Blick genommen werden. Das Internet – und ganz besonders das Social Web – ist hierfür sehr gut geeignet.


7.    Glauben Sie, dass das Internet eine Chance für die Gewinnung von Freiwilligen sein kann?


Ja, das glaube ich. Das Internet wird für immer mehr Menschen ein integraler Bestandteil ihres alltäglichen Lebens. Bei Jugendlichen – sagt man – ist das schon so. Mit gezielter Webkommunikation können Engagementwillige also durch aus angesprochen werden. Das allein würde aber nur wenig am Erfolg der Freiwilligengewinnung ändern. Die Inhalte aus Zeitungsannoncen, Flyern oder von Plakaten einfach ins Netz zu stellen wäre doch nur alter Wein in neuen Schläuchen. Über das Social Web – über Facebook & Co. – muss anders kommuniziert, muss interagiert werden. Hier liegt die größte Chance und gleichzeitig die größte Herausforderung für NPOs: Der ernst gemeinte Dialog mit Menschen, die zuweilen (noch) außerhalb der Organisationsgrenzen stehen, die Öffnung für sporadisches Engagement (online oder im „real life“), das später einmal zu längerfristiger Verantwortungsübernahme führen kann.

Weitere Beiträge:
Zukunftskongress Ehrenamt und Freiwilligentätigkeit in Münster
Begleitend zum Programm des "Zukunftskongresses Ehrenamt und Freiwilligentätigkeit" vom 28. Oktober - 30. Oktober 2011 in Münster findet eine Ausstellung für Unternehmen und ... mehr
Zukunftskongress Ehrenamt und Freiwilligentätigkeit in Münster
Auf dem „Zukunftskongress Ehrenamt und Freiwilligentätigkeit“ vom 28. – 30. Oktober 2011 in Münster werden in insgesamt sechs Fachforen zahlreiche Referenten zu ... mehr
Interview mit Thomas Kegel, Referent beim Zukunftskongress "Engagement heute"
Thomas Kegel wird beim Zukunftskongress des Ehrenamtes im Forum 1 zum Thema "Auf gute Zusammenarbeit – Kooperation von Ehrenamt und Hauptamt in sozialen Organisationen." referieren. Wir haben ... mehr
Bilder und Videos zu diesem Beitrag
Das könnte Sie auch interessieren
Interview mit Thomas Kegel, Referent beim Zukunftskongress "Engagement heute"
Thomas Kegel wird beim Zukunftskongress des Ehrenamtes im Forum 1 zum Thema "Auf gute Zusammenarbeit – Kooperation von Ehrenamt und Hauptamt in sozialen Organisationen." referieren. Wir haben ... mehr
am 28.10.2011 19:10
von DRK ZukunftskongressZukunftskongress Partnerbild.png     
Zukunftskongress Ehrenamt und Freiwilligentätigkeit in Münster
Der „Zukunftskongress Ehrenamt und Freiwilligentätigkeit“ findet vom 28. – 30. Oktober 2011 in Münster statt. Über welche Themen in den Fachforen diskutiert wird ... mehr
am 28.10.2011 19:00
von DRK ZukunftskongressZukunftskongress Partnerbild.png     
Um diese Funktion zu nutzen,
müssen Sie ein registriertes Mitglied von retter.tv sein.

Sie wollen aktiv an retter.tv teilnehmen, dann melden
Sie sich jetzt kostenlos an.

weiter zur Anmeldung