Interview mit Prof. a.D. Dr. Bernd Jürgen Warneken zum DRK Zukunftskongress

Prof. a.D. Dr. Bernd Jürgen Warneken aus Tübingen wird als Redner beim DRK „Zukunftskongress Ehrenamt und Freiwilligentätigkeit“, der vom 28. – 30. Oktober 2011 in Münster stattfindet, im Themenkomplex "Ehrenamt, interkulturelle Vielfalt und Formen neuen Engagements" referieren. Im Interview mit retter.tv erklärt Bernd Jürgen Warneken Chancen und Probleme beim Engagement von Migranten im ehrenamtlichen Bereich.

Interview mit Prof. a.D. Dr. Bernd Jürgen Warneken zum DRK ZukunftskongressStellen Sie sich bitte kurz vor.
Bis zu meiner kürzlichen Pensionierung war ich am Institut für Empirische Kulturwissenschaft der Universität Tübingen tätig. Aber als Wissenschaftler arbeitet man ja weiter. Zu meinem Themengebieten gehörte und gehört die Migrationsforschung.

Welche Verbindung haben Sie zum Ehrenamt/Freiwilligendienst?
Ich habe kürzlich ein Studienprojekt mit dem Titel „Integration als Partizipation“ abgeschlossen. Es ging dabei um die bisher nur geringe Teilnahme von Zuwanderern bei der Freiwilligen Feuerwehr und dem Roten Kreuz. Unsere Broschüre „Meier. Müller. Shahadat“, die unsere Ergebnisse zusammenfasst und viele alltagsnahe Ratschläge enthält, hat bei DRK und Feuerwehr ein erfreulich breites Echo gefunden.

Was erwarten Sie von dem Zukunftskongress Ehrenamt heute?
Mir wäre vor allem wichtig, dass dieser Kongress die interkulturelle Öffnung des DRK weiter befördert, dass diese Aufgabe auch auf Kreis- und Ortsebene noch entschiedener angegangen wird. In Baden-Württemberg zum Beispiel haben wir um die 30% Einwohner mit Migrationshintergrund. Das DRK kann seine Nachwuchsprobleme wohl kaum lösen, wenn es nicht stärker auf Einwanderer und speziell auch auf Deutschtürken zugeht.

Gibt es Probleme beim Engagement von Migranten im ehrenamtlichen Bereich?
Die Probleme sind beiderseitig. Es gibt da zwar keine Mauern, aber viele Stolpersteine. Muslime glauben z.B. häufig, das Rote Kreuz sei ein christliche Veranstaltung. Auch ist Zuwanderern oft nicht klar, dass ihnen das Mithelfen beim DRK bei der sozialen Integration nützen könnte, direkt und indirekt. Man wird als DRK-Mitglied ja auch Teil eines sozialen Netzwerks. Von Seiten des DRK wiederum müssten die Kontakte zu örtlichen Migrantengruppen verbessert, d.h. verstetigt werden. Einzelne Aufforderungen, einzelne Werbeaktionen reichen da nicht aus. Auch sollte mehr auf Neumitglieder, übrigens auch deutsche Neumitglieder, eingegangen werden: durch neue Ideen für eine „Begrüßungskultur“ und durch Mentoren, welche die Neuen eine zeitlang begleiten.

Macht sich der Unterschied in den Kulturen auch in der Art der Hilfsbereitschaft bemerkbar?
Die Hilfsbereitschaft unterscheidet sich nicht nach Völkern. Sie unterscheidet sich allerdings nach Ortsgröße: In kleinen Gemeinden ist die Quote der freiwillig Engagierten höher als in Mittel- und Großstädten. Zuwanderer leben zumeist in größeren Städten. Auch wird ihre Hilfsbereitschaft sehr stark von ihrer eigenen community in Anspruch genommen. Je mehr sie sich aber von den einheimischen Deutschen angenommen fühlen, desto mehr engagieren sie sich auch für die Belange der Mehrheitsgesellschaft. Ein wichtiger Schritt zu einem höheren migrantischen Engagement in deutschen Hilfsorganisationen wäre das kommunale Wahlrecht für Ausländer.

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